Staatsschutz und Polizei Köln ermitteln gegen Jan Böhmermann

Stand: 30. September 2023, 16:08 Uhr – von Daniel Walochni

Bild von Jan Böhmermann
ZDF-Satiriker Jan Böhmermann – Foto: ZDF/Ben Knabe

Satiriker Jan Böhmermann steht häufig in der Kritik. Nun hat die Kölner Polizei Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Auch der Staatsschutz ist zur Gefahrenabwehr involviert.

Einem anonymen Hinweis folgend, hat die Kölner Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen den TV-Satiriker Jan Böhmermann und sein Team eingeleitet, wie ein Sprecher auf Anfrage des Medienmagazins „Clap“ bestätigte. Hintergrund sind möglicherweise auf strafrechtlich relevante Weise erlangte Inhalte, die gestern in der ZDF-Sendung „Magazin Royale“ ausgestrahlt wurden.

Möglicher Verstoß gegen Verschwiegenheitspflicht

Böhmermann hatte anscheinend Ende Juni einen Mitarbeiter unter falscher Berufsbezeichnung in eine Online-Weiterbildung eingeschleust. Diese Fortbildung war exklusiv für Ärzte, Psychotherapeuten und Psychologen bestimmt. Der Mitarbeiter hatte dabei eine elektronische Unterschrift zur Verschwiegenheit über die Seminarinhalte geleistet. Die im Auftrag von „Magazin Royale“ agierende Journalist gab sich später jedoch zu erkennen und informierte die Veranstalterin per E-Mail über die Absicht, Details aus der Weiterbildung in einer künftigen Sendung zu veröffentlichen. Das Brisante: Auch persönliche Daten von besprochenen Patientenfällen könnten betroffen sein, die der gesetzlichen Schweigepflicht unterliegen.

Seminarleiterin unter besonderem Schutz

Die Leiterin der Weiterbildung ist Michaela Huber, eine international anerkannte Psychotherapeutin und Ausbilderin. In ihrer Arbeit begegnet sie regelmäßig Menschen, die entweder in Zeugenschutzprogrammen sind oder vertrauensvoll mit solchen Personen arbeiten. Darunter fallen auch ehemalige Mitglieder organisierter Kriminalitätsnetzwerke und Sekten. Aufgrund dieser besonderen Klientel genießt sie bereits einen speziellen Schutz. Ihre Anwälte reichten folglich Strafanzeige gegen den Journalisten und Böhmermann persönlich ein.

Staatsschutz und ZDF involviert

Zusätzlich zum Ermittlungsverfahren durch die Kölner Polizei hat sich auch der Staatsschutz zur Gefahrenabwehr wegen der speziellen Position der Seminar-Veranstalterin eingeschaltet. Infolgedessen könnte es zu einer Durchsuchung der Redaktionsräume von „Magazin Royale“ kommen. Das ZDF wurde am 6. September 2023 von Polizeisprecher Christoph Schulte schriftlich über das laufende Verfahren informiert. Auf die gestrige Ausstrahlung der betroffenen Sendung hatte all dies offenbar keinen Einfluss, wie ein Tweet des ZDF von gestern zeigt.

Böhmermann besitzt angeblich einen “Exklusivvertrag mit besonderen Freiheiten”, was es dem Sender schwer machen soll, die Ausstrahlung bestimmter Inhalte zu untersagen.

Böhmermanns Reaktion

In der betreffenden „Magazin Royale“-Sendung, die sich dem Thema „Rituelle Gewalt“ widmete, erklärte Böhmermann: „Wir haben uns mit Klarnamen bei einem Seminar von Michaela Huber angemeldet – und wir haben bezahlt. Wir wurden angezeigt. Eine Strafanzeige – offenbar anonym erstattet gegen uns“, berichtet “Focus”. Bezüglich der strafrechtlichen Vorwürfe meinte er: „Wenn nicht mindestens einmal im Monat eine verrückte Unterlassungsklage reinkommt, dann steht bei mir der Intendant auf der Matte.“

Der Fall wirft viele rechtliche und ethische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf den Journalismus und den Schutz persönlicher Daten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Angelegenheit weiterentwickelt und welche Konsequenzen sie für Böhmermann und sein Team haben wird.

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