Ermittlungsverfahren gegen Till Lindemann (Rammstein) eingestellt

Stand: 9. September 2023, 11:54 Uhr – von Redaktion

Foto von Rammstein-Sänger Till Lindemann 2017 in Frankfurt
Der im eingestellten Verfahren Verdächtige: Rammstein-Frontmann Till Lindemann, hier auf der Frankfurter Buchmesse 2017 – Foto: Markus Wissmann/Shutterstock

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat kürzlich das Strafverfahren gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann eingestellt. Der Grund: Es mangelt an konkreten und belastbaren Beweisen, wie sie am vergangenen Dienstag mitteilte. Die Vorwürfe gegen den Sänger reichten von möglichen Sexualdelikten bis hin zu Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Anstoß durch YouTuberin und Selbstbetroffene

Der Beginn des Skandals geht auf Vorwürfe von zwei Frauen zurück. Die YouTuberin Kayla Shyx hatte in einem Video die Methoden zur Rekrutierung junger Frauen für Rammstein-Afterpartys beschrieben. Shelby Lynn, die sich selbst als Betroffene bezeichnet, erhob ebenfalls schwere Anschuldigungen gegen den Sänger und veröffentlichte ein Bild eines Blutergusses, den sie indirekt mit Lindemann in Verbindung brachte.

Ungenauigkeiten und mangelnde Beweise

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüfte beide Vorwürfe intensiv. Bei Shyx stellte sich heraus, dass ihre Behauptungen ungenau waren und sie keine eigenen strafrechtlich relevanten Vorfälle schildern konnte. Lynns Vorwürfe wurden ebenfalls unter die Lupe genommen. Hierbei kooperierte die Berliner Staatsanwaltschaft mit litauischen Behörden, die bereits Voruntersuchungen angestellt hatten. Auch sie kamen zu dem Ergebnis, dass es keine konkreten Anzeichen für eine Straftat seitens Lindemann gibt.

Zivilrechtliche Auseinandersetzungen

Vor dem Strafverfahren hatte die Sache bereits zivilrechtliche Wellen geschlagen. Das Landgericht Hamburg hatte dem Recherchebund aus “SZ” und “NDR”, untersagt, den Verdacht von strafrechtlich relevantem Verhalten gegenüber Lindemann zu erwecken, da es für die Verdachtsberichterstattung an dem erforderlichen Mindestbestand an Beweistatsachen fehle (Pressemitteilung “Schertz Bergmann Rechtsanwälte”). Die Hamburgische Pressekammer untersagte dem “Spiegel”, den Verdacht zu erwecken oder erwecken zu lassen, Lindemann habe Frauen mit K.O.-Tropfen, Drogen und/oder Alkohol betäubt, um sexuelle Handlungen an ihnen vorzunehmen, berichtet “LTO”.

Insgesamt hat der Fall Lindemann Fragen über eine zulässige Verdachtsberichterstattung und den Umgang mit der Unschuldsvermutung durch Journalisten aufgeworfen.

Journalistischer Informantenschutz als Hürde

Ein erhebliches Hindernis für die Ermittlungen war der journalistische Informantenschutz. Einige Journalisten, die Kontakt zu mutmaßlichen Opfern hatten, verweigerten die Weitergabe von Informationen und beriefen sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht.

Einstellung weiterer Ermittlungen

Nicht nur gegen Lindemann, sondern auch gegen eine frühere Tourmanagerin der Band wurden Ermittlungen eingeleitet und später eingestellt. Sie wurde beschuldigt, junge Frauen für die Band rekrutiert zu haben. Auch hier fehlten letztlich konkrete Beweise für ein rechtswidriges Verhalten.

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